Angebot
Was eine Website 2026 wirklich kosten darf
Die Frage nach dem Preis ist die falsche Frage. Interessant ist, ab wann sich die Investition trägt. Eine Rechnung, drei Preisklassen am Markt und die Posten, die in keinem Angebot stehen.
David Müller8 Minuten Lesezeit
Die Frage hinter der Frage
Fast jedes Erstgespräch beginnt mit der Frage, was eine Website kostet. Gemeint ist meistens etwas anderes: Woher weiß ich, dass ich nicht zu viel zahle. Diese Frage lässt sich beantworten, die andere nicht seriös, weil eine Seite mit fünf Unterseiten und geliehenen Texten etwas völlig anderes ist als ein Projekt mit Analyse, eigenen Texten und Anfrage-Filter.
Sinnvoll wird die Preisdiskussion erst, wenn du sie gegen den Nutzen rechnest. Und dafür brauchst du nur eine Zahl aus deinem eigenen Betrieb.
Rechne mit dem Deckungsbeitrag, nicht mit dem Umsatz
Nimm einen typischen Auftrag und zieh Material, Fremdleistungen und Lohn ab. Was übrig bleibt, ist der Deckungsbeitrag. Genau diese Zahl entscheidet, ob eine Investition sich trägt, nicht der Umsatz.
Ein Rechenbeispiel, keine Statistik: Bleiben bei einem Auftrag 6.000 Euro Deckungsbeitrag, ist eine Website für 8.000 Euro nach zwei zusätzlichen Aufträgen bezahlt. Läuft sie drei bis vier Jahre, geht es um zwei Aufträge in vier Jahren. Bei einem Betrieb, der pro Auftrag 400 Euro verdient, sieht dieselbe Rechnung komplett anders aus.
Deshalb gibt es keine allgemeingültige richtige Zahl. Es gibt nur eine, die zu deinem Auftragswert passt. Wer diese Rechnung nicht aufmacht, vergleicht am Ende nur Angebote gegeneinander und nimmt das billigste.
Drei Preisklassen am Markt
Die folgenden Größenordnungen sind Erfahrungswerte aus dem deutschsprachigen Raum, Stand 2026, und keine erhobenen Marktdaten. Sie helfen beim Einordnen, nicht beim Rechnen.
Selbst gebaut im Baukasten: Die Lizenz kostet einen niedrigen zweistelligen Betrag im Monat. Der eigentliche Preis ist deine Zeit, realistisch mehrere Wochenenden, dazu Texte, die du selbst schreiben musst. Für den Start eines Einzelunternehmens ist das eine legitime Entscheidung.
Einzelperson oder kleines Studio: Eine überschaubare Seite mit wenigen Unterseiten liegt meist im niedrigen bis mittleren vierstelligen Bereich. Ein Projekt mit Zielgruppenanalyse, geschriebenen Texten, individuellem Design, Anfrage-Filter und SEO-Grundlage bewegt sich üblicherweise im oberen vierstelligen Bereich, bei größerem Umfang darüber.
Klassische Agentur mit mehreren Beteiligten: fünfstellig aufwärts. Ein Teil davon ist Arbeit, ein Teil ist Struktur, also Projektleitung, Abstimmungsrunden und Overhead. Ob sich das rechnet, hängt an der Größe deines Projekts, nicht an der Größe der Agentur.
Was den Preis wirklich treibt
Nicht die Anzahl der Seiten ist der Hauptfaktor, sondern wie viel gedacht und geschrieben werden muss. Design lässt sich vervielfältigen, Text nicht.
Wenn ein Angebot deutlich günstiger ist als die anderen, fehlt fast immer einer dieser Posten. Meistens die Texte.
- Wer die Texte schreibt: der mit Abstand größte Kostentreiber
- Ob eine echte Zielgruppen- und Konkurrenzanalyse stattfindet
- Anzahl unterschiedlicher Seitentypen, nicht Anzahl der Seiten
- Fotos: eigene Aufnahmen, Aufbereitung oder gar nichts vorhanden
- Funktionen wie mehrstufiger Anfrage-Filter, Buchung, Kalkulator
- Umzug einer bestehenden Seite samt Weiterleitungen
Posten, die selten im Angebot stehen
Ein Angebot ist erst vergleichbar, wenn diese Punkte darin auftauchen oder ausdrücklich ausgeschlossen sind. Frag im Zweifel nach, jede seriöse Antwort dauert zwei Minuten.
- Texte, ob geschrieben oder vom Kunden zu liefern
- Rechtstexte: Impressum, Datenschutz, Cookie-Hinweis
- Tracking und Messung, damit später jemand weiß, woher Anfragen kommen
- Einrichtung des Formulars samt Zustellung und Spamschutz
- Übergabe: Zugänge, Domain, Hosting, kurze Einschulung
- Was nach dem Livegang passiert und was das kostet
Die laufenden Kosten, die immer kommen
Domain und Hosting sind der kleinste Posten und liegen für eine normale Betriebsseite im Bereich weniger hundert Euro im Jahr. Wartung, also Updates, Sicherung und kleine Änderungen, kommt dazu.
Der größere Posten ist Sichtbarkeit. Eine Seite, die niemand findet, ist ein teurer Prospekt. Ob das über laufende SEO-Arbeit, über Anzeigen oder über beides läuft, ist eine strategische Entscheidung, aber die Position gehört von Anfang an ins Budget und nicht als Überraschung ins zweite Jahr.
Woran du ein zu billiges Angebot erkennst
Billig ist nicht automatisch schlecht. Problematisch wird es, wenn der Preis nur deshalb niedrig ist, weil Arbeit fehlt, die du danach selbst machst oder nachkaufst.
- Texte sind vom Kunden zu liefern, ohne dass das im Gespräch erwähnt wird
- Kein Wort zu Zielgruppe oder Wettbewerb, direkt Layout
- Fertige Vorlage, in die dein Logo eingesetzt wird
- Keine Aussage dazu, wem Domain, Hosting und Zugänge gehören
- Keine Messung, also keine Möglichkeit zu prüfen, ob es funktioniert
- Ein Ergebnis wird versprochen, ohne dass Bedingungen genannt werden
So vergleichst du zwei Angebote wirklich
Zwei Angebote nebeneinanderzulegen und auf die Endsumme zu schauen, führt fast immer zur falschen Entscheidung, weil die Positionen unterschiedlich geschnitten sind. Nützlicher ist ein kurzer Fragenkatalog, den du beiden Anbietern schickst und dessen Antworten du nebeneinander stellst.
Der zweite Prüfstein ist das Gespräch selbst. Wer nach Farben und Vorbildern fragt, verkauft Gestaltung. Wer nach deinem Auftragswert, deiner Wunschkundschaft und deinen bisherigen Anfragen fragt, arbeitet an dem Problem, wegen dem du überhaupt eine neue Seite willst.
Und ein letzter, unspektakulärer Punkt: Frag, wer die Seite nach dem Livegang betreut und was eine Textänderung kostet. Diese Antwort sagt oft mehr über die nächsten drei Jahre aus als der komplette Angebotspreis.
- Wer schreibt die Texte, und auf welcher Grundlage
- Wie viele unterschiedliche Seitentypen sind enthalten
- Ist der mehrstufige Anfrage-Filter dabei oder ein Standardformular
- Welche Rechtstexte sind enthalten, welche muss ich beistellen
- Wem gehören Domain, Hosting und alle Zugänge nach der Übergabe
- Was kostet eine Änderung nach dem Livegang, und wie schnell geht sie
Die ehrliche Antwort
Eine Website darf so viel kosten, wie sie im ersten Jahr an zusätzlichem Deckungsbeitrag realistisch einbringen kann. Alles darüber ist Repräsentation, alles deutlich darunter ist meistens ein Angebot, dem etwas fehlt.
In meinen Projekten wird jedes Angebot einzeln gerechnet, mit fixer Zahl vor dem Start, und den Entwurf siehst du, bevor die erste Rechnung kommt. Was für deinen Betrieb sinnvoll ist, lässt sich in einem Gespräch klären, in dem zuerst deine Auftragswerte auf dem Tisch liegen und dann der Preis.
Geschrieben von David Müller, ROI Growth in Wörgl, Tirol. Über 50 Website- und Sichtbarkeitsprojekte in Österreich, Deutschland und der Schweiz, 5,0 Sterne auf Google. Fragen zum Artikel gehen direkt an david.mueller@roigrowth.net oder +43 670 5542186.